Kaltverseifung

Die Herstellung von Seife im Kaltverfahren ist eine relativ neue Methode. Unter Hobby-Seifensiedern ist sie die vermutlich beliebteste Art zur Seifenherstellung. Dies hat mehrere Gründe:

  • Es ist kein besonderes Zubehör notwendig; fast alle zur Herstellung benötigten Gegenstände befinden sich bereits in einem normalen Haushalt (z.B. Topf, Stabmixer). Außer Natriumhydroxid sind keine Chemikalien nötig; alle weiteren Inhaltsstoffe kann man in einem Supermarkt einkaufen.
  • Der angedickte Seifenleim lässt sich sehr gut einfärben und mit zahlreichen Zusätzen versehen (Gewürze, Kräuter, Blüten etc) und mit Hilfe verschiedener Methoden zu eindrucksvollen Mustern verarbeiten. Durch die flüssige Konsistenz beim Abfüllen sind eine Vielzahl von Seifenformen möglich.

Auch wir empfehlen Anfängern ganz klar diese Methode zur Seifenherstellung. Allerdings gibt es auch Nachteile:

  • Die Seife muss mehrere Wochen reifen, bis die enthaltene Lauge komplett verbraucht ist. Zu früh benutzt, kann es zu Verätzungen und Hautirritationen kommen.
  • Gut verseifen lassen sich im Kaltverfahren vor allem Fette mit Fettsäuren mittlerer Länge (z.B. Kokosöl und Palmöl). Historisch gesehen wurde das Verfahren erst in dem Moment interessant, als diese Fette in größerer Menge und guter Qualität importiert werden konnten. Der klare Nachteil solcher Fette ist allerdings die meist schlechte Ökobilanz und die starke Tensidwirkung. Seife aus mittelkettigen Fettsäuren ist deutlich waschaktiver und führt beim Waschen der Haut zu einem stärkeren „Washout-Effekt“ .

Mythen und Märchen

Leider findet man auf einschlägigen Internetseiten und gerade in der deutschsprachigen Literatur zum Thema Seifensieden viel Unsinn . Wissenschaftliche Fakten werden ignoriert, dafür findet man viel pseudo-ökologisches Wunschdenken. Ein paar Beispiele:

  • Auch im Kaltverfahren werden alle Öle und Fette chemisch verändert. Die Behauptung „die pflegenden Eigenschaften“  der Öle würden kaum beeinflusst oder verändert ist schlicht falsch. Auch bei starker Überfettung der Seifen  findet zumindest eine teilweise Spaltung aller Fettmoleküle statt. Überfettete Seifen enthalten meist keine Ausgangsöle mehr, sondern neben den Fettsäuresalzen (Seife) nur noch teilhydrolisierte Fettmoleküle (Monoglyceride und Diglyceride).
  • Im Kaltverfahren hergestellte Seifen enthalten im Gegensatz zur klassischen Kernseife Glycerin. In vielen Büchern liest man, dass dadurch die Seife deutlich hautfreundlicher würde. Dies ist aber Unsinn. Ein gewisser positiver Effekt ist sicherlich vorhanden. Da Glycerin allerdings wasserlöslich ist, wird es beim Waschen fast vollständig wieder von der Haut entfernt. Deutlich sinnvoller aufgehoben ist Glycerin in einer Creme, die nach dem Waschen auf die Haut aufgetragen wird.